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Der Rost muß raus

Es ist kaum zu glauben wieviel Rost man an einem Holzboot finden kann. Da rostige Schrauben, Bolzen und Nägel nicht nur einen zweifelhaften Halt bieten sondern auch dem Holz schaden, habe ich beschlossen “Sulen” vom Rost zu befreien. Niels,  Bootsbaumeister der Werft in Grödersby, hat den Kiel abgenommen indem er die Kielbolzen über dem Balast durchgetrennt hat. Ich habe die letzten zwei Tage damit verbracht, alle Bolzen mit einer Hydraulik nach oben herauszuziehen bzw die kürzeren Bolzen im Vorschiff nach unten auszutreiben. Einige Fragezeichen hat mir ein Bolzen bereitet, der sich als gewöhnliche Gewindestange aus dem Baumarkt herausstellte und von unten nicht mit einer Mutter versehen war. Warum macht man sowas? Einige Bolzen saßen derart fest, daß ich sie mit einem Rohrbohrer ausbohren musste. Das ist zwar einiges an Arbeit aber immerhin ist neben dem Bolzen dann auch aller Rost entfernt.  Erschwerend kam hinzu, daß einige Muttern sich nicht lösen liessen und mit der Flex aufgetrennt werden mussten.

Ausserdem habe ich die Püttinge ausgebaut. Kurioserweise wurden sie aus Edelstahl hersgestellt aber mit normalen Stahlschrauben verschraubt.

Hier mal ein paar Bilder:

Der Kiel ist ab

Es gibt Neuigkeiten. “Sulen” ist seit Ende Oktober im Winterlager und für den Winter sind umfangreiche Instandsetzungsarbeiten geplant. Schließlich will ich ja nach wie vor im Sommer nach Irland, um in Galway die Ankunft des Volvo Ocean Race zu sehen.

Die wichtigsten Arbeiten bestehen in der Erneuerung der Kielbolzen und dem Ersetzen der nach 60 Jahren völlig verrosteten Stahlnägel, durch die Bodenwrangen und Rumpf verbunden wurden. Der erste Schritt ist getan, der Kiel ist ab.

"Sulen" wird von Balast berfreit

Die letzten 2 Wochen vor Weihnachten werde ich dann damit verbringen die Farbe abzuziehen, sodaß die rostigen Stahlnägel ausgebohrt werden können.

Endlich wieder an Bord

Dieses Wochenende wollte ich den ersten Pobeschlag nach den Werftarbeiten machen. Also hab ich mich am Freitag nach dem Abendessen und einem kleinen Nickerchen auf den Weg an die Schlei gemacht, wo das Boot den Rest der Saison bleiben wird.

Als ich um 3:30h morgens ankam habe ich mich über das nächtliche Theater der Seevögel gefreut und beschlossen mich noch mit einem Rotwein ins Cockpit zu setzen. Plötzlich hab ich ein Jaunern und plantschen gehört, das nicht zu Wasservögeln passte. Kurz darauf habe ich einen schemenhaft einen kleinen Hund durchs Hafenbecken zur Ufermauer schwimmen sehen, also ging ich hin und hob einverstörtes Hündchen aus dem Wasser. Den Weg ans flache Ufer oder zur Sliprampe hätte er gewiss nicht gefunden. Nach einer kurzen Streicheleinheit sagte ich ihm er solle nach Hause gehen- und schon lief er über den Steg zu einem Boot. Hoffentlich hat er die Lektion gelernt und denkt nicht “da kommt schon wer, der mich rausfischt”!

Am Vormittag rief ich bei der Werft an und befragte den AB nach dem Verbleib meiner Bugklampe, nur um 15 Minuten später von Stephan mit der Klampe und einer neuen Befestigung dafür begrüßt zu werden :-)

Der Höhepunkt des Tages was Adrenalin betrifft erlebte ich beim Auslaufen als der Motor ausfiel und ich gegen ein aderes Boot getrieben wurde. Grrr- dafür bin ich nicht hergekommen. Aber sowas passiert und es sind nur Farbe und mein Ego, die gelitten haben.

Um allein mit dem Kahn klarzukommen muß ich einfach besser werden!

Leider habe ich es nicht geschafft ein passendes Zugfahrzeug und Trailer für die Zeit vom 15. bis 17.07. aufzutreiben. Somit ist das Boot noch immer in Grödersby und nicht im geplanten Heimathafen Bruinisse. Da ich damit rechne, daß ich beim geplanten Werfttermin im Winter das gleiche Problem haben werde, habe ich mich entschlossen das Boot an der Schlei liegen zu lassen. Die Gegend dort ist schön und es gibt noch einiges zu entdecken. Ausserdem ist die Chance auf weitere Folkebootsegler zu treffen und sich austauschen zu können dort um einiges größer.

Die Werftarbeiten sind abgeschlossen. Die Bilder zeigen teilweise, was gemacht wurde. Wie die ersten beiden Bilder erahnen lassen besteht das Hauptproblem dieses Holzbootes aus Rost ;-)

Für den Winter ist geplant alle alten Kielbolzen zu ersetzen. Ausserdem sollen die rostigen Nägel aus den Bodenwrangen ausgebohrt und durch Holznägel ersetzt werden. Die Werft hat mir bereits ein entsprechendes Angebot unterbreitet. Ich musste zwar etwas schlucken wäre aber zugegebenermaßen innerhalb meines Finanzplans, wenn das Malheur in Dragør nicht mit 1100 Euro zu Buche geschlagen hätte.

In Eigenarbeit wird der Rumpf dann noch einen neuen Farbaufbau bekommen. Mal sehen, ob das Boot weiß bleibt.

Morgen will ich mit Stephan von der Werft telefonieren und die Liegeplatzmöglichkeiten besprechen. Das Boot soll zudem morgen ins Wasser und da will ich natürlich wissen, ob es schwimmt :-) und dann heisst es Törnpläne schmieden.

Die letzten Tage waren derart vollgepackt, daß ich einfach keine Zeit hatte zu posten.

Hier also die letzte Mail von Bord und was danach geschah…

Mittwoch, also der 29.6. war dann der Tag, an dem Boot aus dem Wasser sollte. Auf meine Hilfe mußte ich bis 12:30h warten, aber ich wollte es mir ohnehin nicht nehmen lassen nochmal beim Frühstück im Cockpit zu sitzen, dem Glucksen der Wellen unter den Landungen der Planken zuzuhören und beim Duft von frischem Kaffee Hafenkino zu schauen. An dieser Stelle auch nochmal Dank an Bernd und Carmen die mir ihre weissen Sitzkissen fürs Boot vermacht haben und solche Momente noch etwas bequemer und gemütlicher gemacht haben.Wenn ich die Bilder von Gerd bekomme könnt ihr hoffentlich auch mal sehen, wie gut die Kissen sich auf dem Boot machen ;-)

Leider hat das mit der Tränendrüse und den 100 Dosen Bier nicht geklappt, also mußte ich mal wieder Bluten, diesmal finanziell. 1800 Kronen mußte ich am Ende berappen plus ein Abendessen für Donald, einen Australier, der mehr oder minder auf seiner Replica eines Arbeitsseglers aus dem 19. Jahrhundert lebt und in Dänermark wegen seines Bootes hängen geblieben ist. Donald hat mir seine Hilfe einfach so angeboten und wollte nichts dafür. Insofern war die Einladung zum Essen das mindeste und mir eine Freude.

Mit dem manuellen Kran, den keiner von uns kannte haben wir zu viert 5 Stunden gebraucht bis das Boot sicher verzurrt auf dem Trailer stand, mein Gott, war das eine Aktion. Aber es ist alles gut gegangen und nicht zu guter letzt auch noch das Boot aus dem Kran gefallen. Das Resultat eines solchen Malheurs habe ich am Donnerstag auf der Werft in Grödersby gesehen. Aber weiter der Reiher nach…

Nach dem Abendessen hab ich mich dann auf den nach Helsingør gemacht, um das Wintergestell und noch ein paar andere Dinge abzuholen die noch beim Vorbesitzer auf Abholung warteten. Von dort aus ging es dann nach Grödersby zur Werft von Stefan Ernst Schneider. Dort kam ich um kurz nacht 8h an und wurde von Stefan mit den Worten begrüßt “Ah, das Hochseegängige Folkeboot mit der Leckage…”.

Zu einer schlagfertigen Antwort war ich nach 24 Stunden auf den Beinen nicht fähig, Bekam aber gleich einen frischen Kaffee angeboten :-) Dann haben wir das Boot vom Trailer auf einen Wagen der Werft umgeladen. Für die Durchsicht des Bootes musste ich es dann noch leerräumen womit ich geraume Zeit beschäftigt war. Kaum zu glauben, was da alles an Kram drin war in diesem kleinen Boot.

Nach einem kurzen Nickerchen in meiner Koje kam dann die Durchsicht und die Besprechung, was zu machen sei. Die Frage, die mir dabei am wichtigsten war: “Ist das Boot so marode, dass es sich nicht mehr lohnt?” Und an dieser Stelle kam bei mir dann doch Erleichterung auf. Das Boot ist alt, ja, aber die Substanz gut genug, dass ich die bisherigen Ausgaben nicht bereuen muß!

Nach Besprechung der durchzuführenden Arbeiten mußte ich mich auf den Weg machen, um den Trailer zurückzubringen, was ich dann pünktlich um 19:00h in Bargteheide tat. Und dann nach hause, oder wieder ins Rheinland?

Ich entschied mich fürs Rheinland, da Stephan, ein alter Freund aus Internatszeiten für kurze aus Brasilien hergekommen war. Mit kurzen Powernaps hielt ich mich aufrecht, bis ich Duisburg erreichte und meinen Bruder um einen Schlafplatz bat. Dann erstmal 10 Stunden geschlafen.

Vorläufiges Resümee:

Ein Folkeboot ist ein tolles Boot, die gefühlte Windstärke liegt ein bis zwei Beaufort über der tatsächlichen (von Helsingør nach Kastrup waren es tatsächlich 5 Beaufort) und interessante Leute lernt man in jedem Hafen kannen.

So, die Plattitüden sind mir ausgegangen- na vielleicht nicht wirklich … ;-) aber es bleibt spannend. In zwei Wochen muss ich das Boot abholen, da die Werft dann eine Sommerpause macht.

vorletzte Mal von Bord

Ich hatte gedacht, dies würde die letzte Mail von Bord für diese Reise, aber es ist mal wieder anders gekommen…

beim Verholen an den Anlieger für den Mastkran bin ich von der Pier gerutscht und mit dem linken Schienbein auf die Deckskante aufgeschlagen. Jetzt weiß ich auch, wie die großen gelben Autos in Dänemak von innen aussehen…

Also ich hab meinen Tag mit Krankenhaus, die Ärztin war den Weg beinahe Wert, und Anästhesie an Bord der “Pacific”  von Hendrick Schött aus Travemünde verbracht. Das Bein ist entgegen anderer Befürchtungen nicht gebrochen, die Schmerzen kommen von einem heftigen Hämatom, für das, wie die Ärztin sagt, im Schienbein eigentlich kein Platz sei.

Mal sehen wie die Jungs von der hiesigen Werft reagierieren wenn ich ihnen 100 Dosen Bier fuer ihre Paty am Freitag anbiete dafür, daß sie meinen Kahn auskranen. Da es ein manueller Kran ist, hab ich die Befürchtung, daß ich das nicht schaffe ohne sicheren Stand aufzwei2 Beinen und der Moeglichkeit schnell zu laufen- Siebi ich bedaure dich nachtraeglich! Durch die Welt humpeln ist nicht schön!

Das heißt am Ende, ich laß mich heute nochmal lieblich in den Schlaf schaukeln ;-) um morgen auf die Tränendrüse zu drücken…

Heute habe ich versucht einen Trailer zu organisieren und verschiedene Szenarien durchzuspielen, wie Trailer und Zugmaschine hierher und das Boot aus dem Wasser kommen. Da Wochenende ist, ist das alles nicht so leicht. Das Resultat: Gerd ist gerade abgereist und versucht einen Nachtzug von Malmö nach Berlin zu bekommen.
Ich werde morgen nach Köln fliegen, und mit dem Auto wiederkommen, um den Transport zu organisieren und meinen ganzen Kram mitzunehmen.

Es bleibt also spannend.

ps: Gerd hat gerade per SMS geschrieben, daß er ein Ticket für den Nachtzug bekommen hat und auf dem Weg nach Malmö ist. Einmal Öresundbrücke hin und wieder zurück. Jetzt fehlt nur noch unten durch segeln statt über den Tunnel hinweg ;-)

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